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marc mer
s a t z u m s a t z | a p h o r i s m e n
über raum und leib und wirkliches sonst
vermischte aufzeichnungen
programmatische notizen
abstrakt . bild illusion
es gibt kein abstraktes bild. kein maler kann ein abstraktes bild malen. und kein betrachter kann ein abstraktes bild betrachten. es ist das eigentümliche des abstrakten, dass es fortgezogen ist. das abstrakte bild ist das bild, das nicht da ist. und in allen bildern, die da sind, gibt es eines nicht zu sehen: abstraktes. abstraktes ist nicht im bild. in keinem. das abstrakte ist das aus jedem bild fortgezogene. | 11.11.2007
abstraktes ist nicht im bilde. doch kann man über das abstrakte im bilde sein. | 26.11.2007
das bild ist immer illusionistisch. andernfalls ist es ein ding. | 26.11.2007
architektur . erde himmel
mit der erde ist die architektur verheiratet, geliebte der architektur aber ist der himmel. | 20.05.2010
architektur . eros
dem haus unter den rock schauen. | 29.11.2005
architekturale voyeurismen und exhibitionismen. gebauter raum ist voll davon. einer der leiber, einer für leiber ist gebauter raum. für nichts anderes als für die spiele der sinnlichkeit des leibes wird raum gebaut. | 02.12.2005
architektur . gefäß
architektur ist gefäßbau. | 12.08.1997
architektur . haus
looking like a house is not a quality of architecture. wie ein haus auszusehen, ist keine qualität von architektur. | 28.08.2008
architektur . raum performance
ARCHITECTURE = ART PERFORMING SPACE | 14.09.2009
architektur . schachtel
nicht die hütte, die schachtel ist der prototyp aller architektur. | 1994
aus marc mer: beherbergung des unfalls - unwahre architektur in: claus mewes, ludwig seyfarth [hg.]: architektur der ideen. gedankengebäude in der kunst katalogbuch zur ausstellung im kunsthaus hamburg 19.04. - 23.05.1994, hamburg/wien 1994
architektur . viele
weil wir so viele sind, sieht architektur so aus, wie sie aussieht. | 16.09.2009
architektur . wahrheit haus leib . verwahrung verwahrheitung
häuser verwahren leiber. häuser bewahren leiber für andere leiber auf. häuser bewahren leiber vor anderen anderen leibern. die leiber selbst verwahren in den häusern sich. dagegen, dass welche, die draußen sind, zu ihnen herein drängen, verwahren sich die, welche drinnen sind. verwahren daselbst sich ebendafür, wogegen sie sich verwahren, gleichwohl aber auch. warum sonst schließt die tür nicht ganz? warum sonst schließt sie nie für immer?
verwahren ist verwahrheiten. als verwahren für und vor ist es das ganz insgesamt. das ist verwahren eigentlich. was architektur verwahrt, das verwahrheitet sie. allein deswegen, weil sie verwahrt, verwahrheitet sie. auf verwahrheitung läuft verwahrung hinaus. oder besser: genau darauf läuft sie hinein. denn, was architektur verwahrt, das verwahrheitet sie drinnen. nach draußen freilich tut sie dasselbe kund.
die wahrheit des leibes findet sich im haus. eines leibes wahrheit findet sich in jedem. obschon keine an einem leib allein sich findet. nicht in einem. zum wahren leib wird einer erst als doppelter. nichts indes fällt einem leib leichter, denn zu zweit zu sein. es geschieht einem leib fast wie von selbst. sei es, dass sich ein weiterer von anfang an schon bei ihm findet, wie zumeist. sei es derart aber nicht oder nicht mehr, dann sei es vielleicht auch einfach nur des hauses tür, die einer offen lässt. einen weiteren leib findet ihm das bald. schneller noch als bald. bleibt dennoch wo einer einzeln, bei ganz geschlossenem hause etwa, so verwahrt der sich gegen die verwahrheitung seinerselbst da. der ist ein leib, nur einer, willentlich.
häuser aber, darin leiber gegen ihre verwahrheitung sich verwahren lassen, sind keine wahren häuser. wahre häuser haben löcher. wahre häuser verwahren leiber, um sie zu verbreiten. | 05.12.2003
aus marc mer: raumes unheimlichkeit. bei entheimlichtem leibe woanders [architektur von haus aus als form des monströsen] - ein zynisches portrait nicht ganz wider willen vortrag im von der heydt-museum wuppertal, 8.internationales symposion der architekturtheorie “andere räume: von foucaults espaces autres zu (un)heimlichen manipulationen und emanzipationen von körpern im raum”, veranstaltet vom institut für architekturgeschichte und architekturtheorie, dem institut für umweltgestaltung und der fakultät adk (architektur design kunst) der bergischen universität wuppertal, 05.12.2003
zudem veröffentlicht in marc mer: zur architektur des raumes - eine philosophische szenerie. momente und motive raumbildender kunst, münster 2004
ausbruch . einbruch
jeder ausbruch ist immer auch ein einbruch. der ausbruch aus dem gefängnis ist ein einbruch in die gesellschaft. | 21.10.2009
automat . haus heimsuchung
der automat ist ein haus, die automation eine heimsuchung! | 1997
aus marc mer: (kunst(museum(stadt))). versuche und versuchungen für eine dialogische architektur zwischen behälter und verhältnis, wien 1997
automat ist haus. automatisierung ist heimsuchung. automatiserung sucht gar haus mit haus heim. | 2000
aus marc mer: von werden und gewordensein [kritik einer kunst, die aufs kunstwerk kommt] in: eine architektur für ein museum für werdende kunst, kassel/wien 2000
autor . auto
autor ist einer, der ein auto hat. | 18.07.2007
bau . wesen
bauwesen. was west denn im bau? oder ist besser zu fragen: was west im bauen? oder bleibt nur noch zu fragen: welches wesen ist im bauen gewesen? | 12.03.2005
bild . fenster betrachter
wenn fenster wie auf die wand gehängte bilder sind. in die man hinein schauen kann. aus denen man auch heraus schauen kann. | 08.02.2008
von draußen auf seine wände gehängt, sind die fenster eines hauses bilder. die oberflächen der bilder sind durchsichtig. die wandstücke hinter den bildern fehlen. die betrachter der bilder stehen auf der straße. und die im haus hinter den fenstern stehen, stehen in den bildern. | 08.02.2008
bilder haben betrachter. bilder, die fenster sind, haben betrachter zu beiden seiten. betrachter, die in die bilder schauen. betrachter, die aus den bildern schauen. den betrachtern, die in die bilder schauen, stehen die betrachter, die aus den bildern schauen, in den bildern. und umgekehrt. | 22.02.2008
was bilder, die fenster sind, ihren betrachtern zeigen, das ist der raum dahinter. bilder, die fenster sind, machen den raum dahinter zum bild. vom raum der straße her betrachtet, ist der raum im haus bild. vom raum im haus her betrachtet, ist der raum der straße bild. | 22.02.2008
[in betrachtung von kolumba, kunstmuseum des erzbistums köln | architekt: peter zumthor]
das gleiche . das selbe
das gleiche, da es nicht das selbe ist, ist ein anderes. das selbe ist ein und das selbe. das selbe ist eins. das gleiche ist eins zu eins. eines zu einem. ein anderes eines zu dem einen einen. das gleiche ist zwei. | 01.05.2007
eins . einsundeins
selbst bei eins und eins ist die eine eins der anderen eins nicht gleich. | 28.04.2007
gehen . stock
gehstock. verlängerung eines arms zum bein. zum dritten bein. dreibein damit. | 21.05.2007
hand . handhabung
man muss viel handgreiflicher denken. das ist irgendwie abhanden gekommen. | 23.06.2007
haus . betrachtungsweise
haus ist gebaute betrachtungsweise. haus ist gebaute betrachtungsweise, die fest steht. | 2000
aus marc mer: von werden und gewordensein [kritik einer kunst, die aufs kunstwerk kommt] in: eine architektur für das museum für werdende kunst, kassel/wien 2000
auch in marc mer: zur architektur des raumes - eine philosophische szenerie. momente und motive raumbildender kunst, münster 2004
haus museum . betrachtungsweise
haus spitzt sich im museum zu. haus ist gebaute betrachtungsweise, die als museum fester als fest steht. | 2000
aus marc mer: von werden und gewordensein [kritik einer kunst, die aufs kunstwerk kommt] in: eine architektur für das museum für werdende kunst, kassel/wien 2000
auch in marc mer: zur architektur des raumes - eine philosophische szenerie. momente und motive raumbildender kunst, münster 2004
haus . falle
haus fällt über haus her. das haus ist eine falle. dem haus ist das haus eine falle. wie aber ködert haus haus? | 19.12.2006
haus . falle einbrecher
das haus ist eine falle. es ist die dem einbrecher willkommene falle. es ist die falle, welche den einbrecher willkommen heißt. es ist die falle, in die ihm der leib des anderen geht, der da freilich bereits ist. denn in die falle haus braucht dem einbrecher der leib des anderen gar nicht erst zu gehen. in der falle haus hält der sich schon auf. was überdies zugleich zweierlei meint. der leib des anderen ist im haus schon da. und öffnet sich dem einbrecher da auch schon. ihm, der nur hinzukommt. aufenthalt des leibes und aufhalten des leibes ist eins im haus. | 05.12.2003
aus marc mer: raumes unheimlichkeit. bei entheimlichtem leibe woanders [architektur von haus aus als form des monströsen] - ein zynisches portrait nicht ganz wider willen vortrag im von der heydt-museum wuppertal, 8.internationales symposion der architekturtheorie “andere räume: von foucaults espaces autres zu (un)heimlichen manipulationen und emanzipationen von körpern im raum”, veranstaltet vom institut für architekturgeschichte und architekturtheorie, dem institut für umweltgestaltung und der fakultät adk (architektur design kunst) der bergischen universität wuppertal, 05.12.2003
zudem veröffentlicht in marc mer: zur architektur des raumes - eine philosophische szenerie. momente und motive raumbildender kunst, münster 2004
haus . hure
das haus ist eine hure. es lässt jeden ein. | 25.12.2008
haus . unheimlichkeit zuhause
es ist das haus, welches den raum unheimlich macht. das unheimliche ist häuslich. es sitzt viel zuhause. und wenn es auch ausgeht, was es sogar oft tut, nach hause kehrt es doch immer zurück. | 05.12.2003
aus marc mer: raumes unheimlichkeit. bei entheimlichtem leibe woanders [architektur von haus aus als form des monströsen] - ein zynisches porträt nicht ganz wider willen vortrag im von der heydt-museum wuppertal, 8.internationales symposion der architekturtheorie “andere räume: von foucaults espaces autres zu (un)heimlichen manipulationen und emanzipationen von körpern im raum”, veranstaltet vom institut für architekturgeschichte und architekturtheorie, dem institut für umweltgestaltung und der fakultät adk (architektur design kunst) der bergischen universität wuppertal, 05.12.2003
zudem veröffentlicht in marc mer: zur architektur des raumes - eine philosophische szenerie. momente und motive raumbildender kunst, münster 2004
herausschneiden . dunkel licht
aus dem ganzen dunkel schneidet der lichtstrahl ein stück dunkel heraus, schneidet damit zugleich ein stück helle in das noch verbliebene dunkel hinein. belichtung ist ihrer form nach herausschneiden und hineinschneiden in einem. | 18.10.2001
aus marc mer: light/nightfall | site/housebreaking [lichtschein und raumbruch] vortrag am bauhaus dessau, symposion “bauhaus: meisterhäuser im licht”, veranstaltet von der philips aeg licht, der stadt dessau und der stiftung bauhaus dessau, 18.10.2001
zudem veröffentlicht in marc mer: zur architektur des raumes - eine philosophische szenerie. momente und motive raumbildender kunst, münster 2004
herausschneiden . raum haus
herausgeschnittenes stück raum ist haus. | 2000
aus marc mer: von werden und gewordensein in: eine architektur für das museum für werdende kunst, kassel/wien 2000
auch in marc mer: zur architektur des raumes - eine philosophische szenerie. momente und motive raumbildender kunst, münster 2004
herausschneiden . raum heimlichkeit
befestigter raum ist herausgeschnittener raum. sein herausgeschnittensein ist es, welches ihn heimlich macht. im verschwinden aus seinem umraum wird raum heimlich. was raum umgibt, entnimmt diesen zugleich auch dem, was ihn darüber hinaus umgibt. da drinnen wird er so zu einem da draußen. | 05.12.2003
aus marc mer: raumes unheimlichkeit. bei entheimlichtem leibe woanders [architektur von haus aus als form des monströsen] - ein zynisches porträt nicht ganz wider willen vortrag im von der heydt-museum wuppertal, 8.internationales symposion der architekturtheorie “andere räume: von foucaults espaces autres zu (un)heimlichen manipulationen und emanzipationen von körpern im raum”, veranstaltet vom institut für architekturgeschichte und architekturtheorie, dem institut für umweltgestaltung und der fakultät adk (architektur design kunst) der bergischen universität wuppertal, 05.12.2003
zudem veröffentlicht in marc mer: zur architektur des raumes - eine philosophische szenerie. momente und motive raumbildender kunst, münster 2004
intensität intimität . kannibalismus
die höchste form von intensität, der inbegriff des intimen ist der kannibalismus. im leidenschaftlichsten moment der liebe zwischen zweien will sich der eine den andern einverleiben. “ich habe dich zum fressen gern”, heißt es. | 31.05.2007
kleid . frau form . öffnung ordnung
das kleid der frau zu öffnen, hat form. das kleid der frau zu öffnen, kennt eine ordnung des tuns. das kleid der frau kommt seinem zerrissenwerden durch den reißverschluss zuvor. | 2000
aus marc mer: von werden und gewordensein [kritik einer kunst, die aufs kunstwerk kommt] in: eine architektur für das museum für werdende kunst, kassel/wien 2000
auch in marc mer: zur architektur des raumes - eine philosophische szenerie. momente und motive raumbildender kunst, münster 2004
kleid . haus
das kleid ist haus, das die frau am leib trägt, wenn sie außer haus geht. | 2000
aus marc mer: von werden und gewordensein [kritik einer kunst, die aufs kunstwerk kommt] in: eine architektur für das museum für werdende kunst, kassel/wien 2000
auch in marc mer: zur architektur des raumes - eine philosophische szenerie. momente und motive raumbildender kunst, münster 2004
kleid . sinn
der sinn des kleides ist es, das nackte fleisch der frau zu beherbergen. der sinn des nackten fleisches der frau ist es, dem kleid sich entbergen zu lassen. | 2000
aus marc mer: von werden und gewordensein [kritik einer kunst, die aufs kunstwerk kommt] in: eine architektur für das museum für werdende kunst, kassel/wien 2000
auch in marc mer: zur architektur des raumes - eine philosophische szenerie. momente und motive raumbildender kunst, münster 2004
kunst . wirklichkeit
kunst klärt wirklichkeit. kunst verklärt wirklichkeit nicht. kunst erklärt wirklichkeit nicht. | 06.03.2008
kunst arbeitet mit wirklichkeit. kunst ist arbeit an der wirklichkeit. mittels wirklichkeit arbeitet kunst an wirklichkeit. | 11.03.2008
mauer . möbel immobilie
mit der mauer fängt die immobilie an. die mauer ist kein möbel. | 02.12.2009
wenn die mauer zum möbel wird, ist es um die immobilie geschehen. | 09.12.2009
nacktheit . uniform
auch die nacktheit ist eine uniform. gerade die nacktheit ist eine uniform. es gibt nicht nur die uniform, die man an hat, die man sich übergezogen hat. die nacktheit ist die uniform, die man immer an hat. die man auch an hat, wenn man sonst nichts an hat. | 08.01.2008
das nackte ist das uniforme. | 08.01.2008
die uniform ist ein gleichmacher. von allen gleichmachern ist die nacktheit der wirksamste. nacktheit ist die gleichmachendste aller uniformen. | 20.02.2008
öffentlicher raum
der öffentliche raum ist ein unöffentlicher gegenstand. | 1995
aus marc mer: !merry go(es) round - architecture stand(s) by! in: film+arc.graz 2, katalog zur 2.internationalen biennale für film und architektur, graz 1995
auch marc mer: !merry go(es) round - architecture stand(s) by!, wien 2002
platz . platzen
das platzen des platzes. ein ganzer platz platzt. zerplatzt. geht in die luft. was in die luft geht, hebt nicht ab. was in die luft geht, verflüchtigt sich. auf einmal. mit einem knall. platz platzt. | 20.01.2006
raum kleid . architektur
architekturen - kleider des raumes. architekturen sind die kleider des raumes. | 30.06.2010
regal . warenhaus passage
das warenhaus ist ein regal. die passage ist ein regal. durch die passage unterwegs sein heißt im regal gehen. regal zu beiden seiten haben. | 02.05.2007
schachtel . haus straße stadt
haus und straße gleichen sich. das system der schachtel erfasst die ganze stadt, macht die gesamtheit des außenraums zu einem ungeheuren innenraum, aus dem sich nirgendwo mehr herausschauen, da sich in ihn überall hieneinschauen läßt. das haus steht in der stadt, die stadt umsteht die häuser. | 1997
in der schachtel, die nichts irgendwohin entlässt, weil auch noch vor der schachtel und zwischen den schachteln in der schachtel ist, hört der blick nicht auf, rundum zu gehen. vor der schachtel liegt kein fremder abgrund, sondern die erweiterung ihrerselbst. | 1997
aus marc mer: kunst im haus, haus in der stadt. blickbdingungen und augenscheinlichkeiten in: jetzt oder nie, band 3 der schriftenreihe der kunsthalle wien, klagenfurt/wien 1997
auch in marc mer: zur architektur des raumes - eine philosophische szenerie. momente und motive raumbildender kunst, münster 2004
schrank . kleid
auch der schrank ist ein kleid. der schrank ist das kleid der kleider. | 20.05.2009
kleiderschrank: kleiderkleid. | 20.05.2009
schrank . sarg
schrank steht. sarg liegt. schrank, der liegt, ist sarg. sarg, der steht, ist schrank. | 02.04.2009
senkrecht . sinken
im senkrechten das recht auf sinken. | 19.04.2008
sockel . standbild
auf dem sockel steht das standbild. auf dem sockel steht das standbild still. auf dem sockel im haus steht das standbild dann noch stiller. auf dem sockel im museum steht das standbild dann am stillsten. | 2000
aus marc mer: von werden und gewordensein [kritik einer kunst, die aufs kunstwerk kommt] in: eine architektur für das museum für werdende kunst, kassel/wien 2000
auch in marc mer: zur architektur des raumes - eine philosophische szenerie. momente und motive raumbildender kunst, münster 2004
sockel . stöckelschuh
der sockel trägt nur das standbild, der stöckelschuh aber die ganze, sich bewegende frau. | 11.04.2001
tanz . raum
tanz nimmt nicht raum ein wie ein ding. tanz zieht raum mit sich, spannt ihn von stelle zu stelle, von denen er jede nur berührt, um weiterzuspringen. | 1995
aus marc mer: !merry go(es) round - architecture stand(s) by! in: film+arc.graz 2, katalog zur 2.internationalen biennale für film und architektur, graz 1995
auch marc mer: !merry go(es) round - architecture stand(s) by!, wien 2002
transparenz . demokratie diktatur
es ist - nach wie vor - ein weit verbreiteter irrtum zu meinen, transparenz habe etwas mit demokratie zu tun. verwandelt sich eine diktatur, die sich in ihrem ganzen ausmaß sichtbar macht, allein dadurch etwa in eine demokratie?
auch eine transparente architektur ist noch lange keine demokratische. doch gilt es überhaupt zu fragen, was demokratische architektur denn sei. was ist an architektur demokratisch? worin artikuliert sich das demokratische einer architektur?
das transparente ist so wenig demokratisch wie das nichttransparente diktatorisch. die permanenz aber, mit der von ihr behauptet wird, demokratisch zu sein, hat längst eine diktatur der transparenz etabliert. | 09.01.2008
wand . leinwand landschaft
eine wand in der landschaft ist eine leinwand, auf die sich die landschaft malt. sie selbst malt sich darauf. so, wie kein maler sie malen könnte. | 28.06.2007
weg . länge
weg hat länge. weg ist aber nicht länge. weg kann sich gabeln, länge nicht. | 07.05.2008
zimmer . gegenstand raum
das zimmer ist ein gegenstand. dem raum steht es entgegen. mit dem raum in ihm steht es dem raum um es entgegen. | 15.06.2007
zuhause
zuhause ist, wo ein haus ist. zuhause ist, wo ein haus zu ist. im haus, das zu ist, ist zuhause. | 02.06.2007
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